Coach J´s Corner
Hier schreibt unser Coach Johannes Püllen über Basketball im Besonderen und Gott und die Welt im Allgemeinen. In unregelmäßigen Abständen findet ihr hier die Gedanken von Coach J zu allen möglichen Themen, denn das D-Squad Universum besteht nicht nur aus Basketball….
Heute findet ihr hier den ersten Beitrag von Coach J. Zum Auftakt beschäftigt sich der Coach mit dem Thema Motivation. Im Basketball und im Sport allgemein wird ständig über Motivation gesprochen, aber was genau ist genau Motivation eigentlich? Warum tun wir was wir tun?

Es ist ein Montagabend im August. 21:50 Uhr. Wir sind auf dem Sportplatz der Uni. Es ist bereits dunkel, man kann kaum noch was sehen, ich kann meistens nur noch die Umrisse der Spieler erkennen. Wir haben Konditionstraining. Bereits seit einigen Wochen trainieren wir vier Mal die Woche um uns auf die Saison vorzubereiten. 2 mal in der Halle und 2 mal hier draußen auf dem Platz. Kraft-Ausdauertraining mit unserem Athletik-Trainer Rachid. Das heißt vor allem eins: Schmerzen! 10 km Laufen zum Aufwärmen, dann Sprints, Kraftübungen, wieder mehrere Kilometer Laufen und zum Abschluss nochmal Sprints und Kraftübungen. Die meisten machen schon nach den ersten Sprints schlapp, trotzdem quälen sich alle bis zum Ende durch. Igor, eigentlich unser fittester Spieler, ist heute nicht gut drauf, er muss sich übergeben, trotzdem macht er später weiter. Jonas, unser Kapitän, ist auch dabei, obwohl er heute 7 Stunden an der Uni war. Erst Schwimmen, dann mehrere Kilometer Inliner-Fahren, zum Abschluss noch Hürdenlauf, und dass mehrere Stunden lang. Er sieht müde aus, ist erschöpft, trotzdem kommt er zum Training und macht mit. Er ist schon nach dem 10 km Lauf total erledigt. Aber er macht bis zum Ende mit.
2 Monate später, wieder ist es Montagabend. 20 Uhr. Wir haben Training. Drino ist gekommen, obwohl er nicht mit trainieren kann, da er eine Knieverletzung hat. Drino wohnt in Oberhausen, er bleibt bis zum Ende des Trainings um 22 Uhr. Das heißt er wird erst so gegen 23 Uhr zu Hause sein. Trotzdem ist er gekommen, um zu sehen was wir machen und nichts Wichtiges zu verpassen.
Es gibt noch tausend anderer ähnlicher Geschichten die man erzählen könnte. Unsere Mannschaft besteht aus Studenten, Angestellten, Unternehmern. Die meisten haben eine Freundin, haben beruflich viel zu tun, müssen sich auf Prüfungen vorbereiten oder sind sonst irgendwie verpflichtet. Wir spielen „nur“ in der Bezirksliga. Das ist die 2 niedrigste Basketball-Liga in Deutschland. Die meisten Teams in der Liga bestehen aus älteren Spielern, die keine Lust mehr haben hart zu trainieren oder aus jüngeren, die nur ab und zu „zocken“ wollen ohne viel zu investieren. Manche Teams trainieren sogar gar nicht, sondern treffen sich nur und zocken im Training rum.
Wir nicht. Wir haben in unserer 8 wöchigen Vorbereitung 4 mal die Woche trainiert, manchmal an den Wochenenden sogar noch ein Freundschaftsspiel gehabt. Freitagabends, wenn die meisten am Vortrinken sind und sich auf die Party „vorbereiten“ stehen wir in der Halle und trainieren. Viele unserer Spieler verzichten für D-Squad auf Freizeit, Partys oder andere angenehme Dinge, die das Leben schöner machen. Die meisten werden sich fragen: Ja und? Die Jungs sind halt motiviert. Das ist doch normal, wenn man etwas will, dann setzt man sich dafür auch ein! Was ist das besondere daran?
Ich finde es ist auf jeden Fall etwas Besonderes, wenn man bereit ist auf angenehme Dinge zu verzichten, Anstrengungen und Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen ohne etwas dafür zu bekommen? Oder bekommt man vielleicht doch etwas?
Wie bereits oben angesprochen sind viele Dinge in unserem Leben eine Frage der Motivation. Doch was genau ist Motivation eigentlich? Wo kommt sie her? Steckt sie bereits in uns, und muss nur geweckt werden, oder ist sie etwas was uns von außen zugeführt wird? Gibt es vielleicht gar keine Motivation, sondern ist das was wir als Motivation bezeichnen nur eine ganz geschickte Manipulation?
Wenn man direkt gefragt wird, was Motivation für einen selbst ganz persönlich bedeutet, kommen viele Menschen ins Stocken. Wir alle reden ständig darüber, sei es im Zusammenhang mit der Schule, der Uni, der Arbeit, unserer aktuellen Beziehung etc. Aber mal Hand auf Herz: Wenn ihr mal für euch diese Frage beantwortet, was Motivation eigentlich ist, dann kommt ihr wahrscheinlich schnell ins Stocken.
Gerade im Sport ist Motivation die treibende Kraft. Ohne sie geht man nicht zum Training, strengt sich im Spiel nicht an, setzt sich nicht für die Mannschaft ein.
Gibt man bei Wikipedia „Motivation“ ein (ja ich weiß, wikipedia ist KEINE wissenschaftliche Quelle…), findet man dort u.a. folgende Definition:
Motivation (von lat. motus, „Bewegung“) bezeichnet […] einen Zustand des Organismus, der die Richtung und die Energetisierung des aktuellen Verhaltens beeinflusst.
Motivation ist also ein Zustand der unser Verhalten beeinflusst, aber was oder wer löst diesen Zustand aus? Wie werden wir in diesen Zustand versetzt der offenbar der Auslöser dafür ist, das wir uns in einer bestimmten Art und Weise verhalten?
Wie bei allen wichtigen und schwierigen Themen gibt es auch auf diese Fragen keine einfachen Antworten. In der Motivationspsychologie unterscheidet man vor allem 2 theoretische Ausrichtungen: Inhaltsmodelle und Prozessmodelle.
Die Inhaltsmodelle beschäftigen sich mit Inhalt, Art und Wirkung von Motiven. Ein ganzes System von Motiven wird angeboten und bestimmt, nach welchen Gesetzmäßigkeiten welche Motive verhaltensbestimmend werden. Hier stehen also unsere Motive etwas zu tun im Mittelpunkt des Interesses. Ein Motiv ist eine Persönlichkeitseigenschaft, die bestimmt was uns wichtig ist, wie wichtig uns eine Sache ist und was wir bereit sind für diese bestimmt Sache zu tun (oder auch nicht zu tun). Motive können sozial sein (Geselligkeit, Vermeidung von Isolation), biologisch (Hunger, Durst) oder auch kulturell (Anerkennung und Macht). Motive können von Person zu Person variieren oder auch innerhalb eines einzigen Menschen über die Zeit hinweg einer Veränderung unterliegen. Motive sind unglaublich variabel und können in unendlich vielen Variationen auftreten. Sie können intrinsich (also auf etwas Immaterielles gerichtet sein, das in uns selber liegt) oder extrinsich (auf etwas Materielles, das außerhalb uns selbst liegt gerichtet) sein.
Die Prozessmodelle versuchen im Gegensatz zu den Inhaltsmodellen zu erklären, wie Motivation formal und losgelöst von Bedürfnisinhalten entsteht und auf das Verhalten wirkt. Das Ziel des Verhaltens ist unbestimmt, aber das Individuum will den subjektiv erwarteten Nutzen maximieren. Die Forscher gehen also davon aus, dass wir kein konkretes Ziel vor Augen haben wenn wir handeln, sondern das es darum geht so viel Gewinn wie möglich aus einer Sache zu ziehen. Hier geht es also wieder um Motive, aber es fehlt das konkrete Ziel. Bei den Inhaltsmodellen habe ich genau vor Augen, wo ich hin will, was ich erreichen will. Bei den Prozessmodellen weiß ich das nicht so genau. Was ich aber weiß ist, dass ich so viel wie möglich will.
Für beide Modelle existieren eine Menge spezifischer Modelle, die sich in vielen Dingen widersprechen, einige Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen haben und einige wenige Entsprechungen. Aber eines ist allen Modellen und Theorien gemeinsam, egal von welchem Forscher sie entwickelt worden sind, von welcher psychologischen oder philosophischen Schule sie auch beeinflusst wurden. Und das ist das Bedürfnis! Ohne Bedürfnisse kein Handeln. Ohne Bedürfnisse kein Leben! Wir essen weil wir das Bedürfnis nach Nahrung haben. Wir arbeiten um das Bedürfnis nach Anerkennung, Geld, Macht, Beschäftigung etc. zu befriedigen. Und hier kommt auch wieder der Bogen zum Basketball im Allgemeinen und zu D-Squad im Besonderen: Warum spielen wir zusammen Basketball, arbeiten hart, verzichten auf viele angenehme Dinge und stehen stattdessen lieber schwitzend freitagabends in einer Sporthalle?
Weil wir alle Bedürfnisse haben, die wir befriedigen wollen. Der eine sucht einfach nur eine Möglichkeit mit seinen Freunden zusammen was zu unternehmen, der nächste will beim Spiel vor den Fans glänzen, wieder ein anderer sucht hier die Bestätigung, die er woanders vielleicht nicht bekommt. Damit sind wir auch wieder bei der Frage, was man dafür bekommt, sich Woche für Woche im Training abzurackern und zu kämpfen? Ganz einfach: Die Belohnung sind unsere tollen Fans! Es ist unglaublich, wie toll wir von unseren regelmäßig über einhundert Fans unterstützt werden. Sie sind es, die unsere Heimspiele zu etwas besonderem machen. Seien unsere persischen Mädels oder unsere japanischen Ultras, es macht so viel Spaß vor euch zu spielen!
Letztendlich ist es aber egal was das Motiv ist, was zählt ist die Konsequent des Motivs, die Motivation. Und die ist bei unseren Jungs super hoch!
Der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry schrieb einmal einen sehr interessanten Satz zum Thema Motivation:
Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.
Das Schiff, das wir diese Saison bauen wollen ist der Aufstieg in die Landesliga. Und die Sehnsucht nach dem Meer, mit der ich dieses Ziel erreichen will ist die heftige Party, falls wir aufsteigen sollten
Also Jungs, haut rein!!! Es gibt viel zu tun.
In diesem Sinne: D-Squad 4 Ever!
Haut rein und möge die Macht mit euch sein
Coach J