Heute lässt sich unser Coach zu dem Thema Jugendbasketball aus. Ein Thema das seit Jahren kontrovers und teilweise emotional und hitzig diskutiert wird. Hauptgegenstand der Diskussion: seit Jahren schaffen es die deutschen Jugendnationalmannschaften nicht mit den anderen Nationen Schritt zu halten und müssen sich bei internationalen Turnieren immer schon frühzeitig verabschieden. Auch ist es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in den letzten Jahren nur sehr wenigen deutschen Spieler gelungen sich in der Bundesliga oder international zu etablieren…..
Alle schwierigen Probleme haben eine Gemeinsamkeit: Ihre Komplexität – es ist meistens nicht ein Grund aus dem ein schwieriges Problem besteht, sondern es sind gleich eine ganze Gruppe von Gründen. So ist es auch mit dem seit Jahren in Basketballdeutschland heiß diskutiertem Dauerthema: Die Jugendförderung. Anlass: seit Jahren spielen unsere Nationalmannschaften bei allen wichtigen Turnieren unter ferner liefen,
schaffte es kaum ein deutscher Spieler sich dauerhaft in der deutschen Bundesliga oder einer anderen internationalen Profiliga zu etablieren. Ideen, Lösungsansätze, Projekte und Versuche gab es viele in den letzten Jahren: die Bundesliga führte einen Ausbildungsfond ein, der Clubs finanziell belohnte, die junge deutsche Spieler auf Feld schickte. Es wurde ein Quote in der Bundesliga eingeführt die eine Mindestanzahl von deutschen Spielern festsetzt. Die Ausländerregelungen der 2. und 3. Ligen wurden geändert, das Auswahlsystem der Jugendnationalmannschaften überarbeitet, eine U19 und U16 Jugendbundesliga installiert, die Trainerausbildung verbessert, der Bundestrainer hielt viele „Brandreden“ und und und. Mit welchem Ergebnis? Keinem! Die erste Bundesliga wird nach wie vor von amerikanischen und osteuropäischen Spielern dominiert und kaum ein Trainer traut sich seinen „Quoten-Deutschen“ Einsatzzeit zu geben. Am zweiten Weihnachtstag zum Beispiel lief das Spiel ALBA Berlin vs BG Göttingen im Fernsehen. Als es Zeit für den Tipp Off war schickten die beiden Coaches 8 Amerikaner und 2 Serben auf das Feld. Insgesamt kamen in diesem Spiel 3 deutsche Spieler zum Einsatz, die zusammen 28 Minuten spielten (von 400 möglichen Spielminuten).
Die deutsche Basketball Bundesliga ist die Liga mit den meisten amerikanischen Sportlern außerhalb der USA! In den anderen europäischen
Ländern (die in allen internationalen Wettbewerben die deutschen Clubs immer weit hinter sich lassen) sieht dies ganz anders aus: In Spanien z.B. sind lediglich in der ersten Liga nicht-EU Spieler erlaubt (und auch dort nur 2). Lediglich Deutschland beschäftigt eine Flut von nicht einheimischen Spielern. Bitte versteht mich nicht falsch: Die Nationalität der Spieler an sich ist mir egal. Wir alle wollen guten, spektakulären und athletischen Basketball sehen, unabhängig von Nationalitäten. Jedoch ist es nicht zu übersehen, dass unsere einheimischen Talente kaum eine Chance bekommen sich in unserer Profiliga zu beweisen. Die Trainer und Manager der Clubs stehen unter Erfolgsdruck und vertrauen deswegen lieber auf fertig ausgebildete Spieler, bei denen sie wissen was sie bekommen, anstatt ein Risiko einzugehen und in die Ausbildung eines jungen Talents zu investieren. Die Folge: Anstatt selber Talente auszubilden beschäftigen die Clubs eine wahre Flut von mittelmäßigen amerikanischen Spielern, die meistens nur eine Saison bleiben und dann in eine andere Liga wechseln. Ich kann die Coaches sogar verstehen: Wie kann ich z. B. von dem Göttinger Trainer John Patrick (Amerikaner) verlangen sich um den „deutschen Basketball“ zu kümmern? Er ist Trainer der BG Göttingen und sein Job ist es Spiele zu gewinnen. Wie er das tut ist letztlich seine Sache.
Die Situation der ersten Liga löst natürlich eine Kausalkette aus: Es ist sehr schwer Jugendliche oder Kinder zu motivieren Profi werden zu wollen und viel zu trainieren, wenn man ihnen keine oder nur eine sehr unsichere Perspektive bieten kann. Dann wird die Basketballkarriere lieber ad acta gelegt und sich nur noch ausschließlich auf die Schule oder Ausbildung konzentriert. Von den meisten Jugendnationalspielern „enden“ die meisten später in den Regionalligen. Kaum einer durchläuft das Auswahlprogramm des deutschen Basketballbundes und landet später in der ersten Liga. So ist es natürlich auch problematisch langfristig Spieler für die A-Nationalmannschaft auszubilden. Der befürchtete Total-Crash ist nach dem Nationalmannschaftsende von Dirk Nowitzki zwar ausgeblieben, aber besonders rosig sieht die Zukunft des DBB Teams in den nächsten Jahren auch nicht aus.
Neben dieser unbefriedigenden Situation im Profibereich muss man sich die Situation des Jugendbasketballs deutlich vor Augen führen: Basketball ist und bleibt (leider) eine Randsportart. Die Infrastruktur ist kaum vorhanden, gute Trainer Mangelware und die
Trainingssituation in den meisten Vereinen katastrophal. Problematisch sind vor allem die sehr wichtigen Altersbereich U10 und U12, hier findet nur sehr wenig kontinuierliche gute Arbeit statt. Die Trainer sind oft junge und unerfahrene Spieler, die den Job bekommen haben, weil sich niemand anderes finden ließ. Dabei müssten gerade in diesen Altersbereichen die besten Trainer arbeiten. Unsere europäischen Nachbarn sind uns da Lichtjahre voraus. Beispiel Litauen: In dem winzigen Land gibt es ca. 50-mal mehr hauptamtliche Basketballtrainer als in Deutschland! Das ist eine unglaubliche Relation, die einiges erklärt!
Naja, allen Unkenrufen zum Trotz wollen wir nicht übersehen, dass es auch einige schöne Ausnahmen und Entwicklungen gibt, doch darüber einander mal mehr….
Peace, Coach J


