Hier schreibt unser Coach Johannes Püllen über Basketball im Besonderen und Gott und die Welt im Allgemeinen. In unregelmäßigen Abständen findet ihr hier die Gedanken von Coach J zu allen möglichen Themen, denn das D-Squad Universum besteht nicht nur aus Basketball….
Heute schreibt unser Coach nicht über Basketball sondern über ein Thema das scheinbar zunächst nichts mit unserem geliebten Sport zu tun hat: über Integration von Ausländern in Deutschland. Aktueller Anlass sind die Äußerungen des Bundesbank-Chefs Thilo Sarrazin. Dynamic Squad ist keine politische Organisation allerdings verstehen wir uns als Sportverein und Anbieter von Camps für Kinder und Jugendliche als wichtige Institution für Integration. Da ein Großteil unserer Spieler und auch Camp-Besucher einen Migrationshintergrund hat fühlen wir uns auch berufen hier unsere Meinung beizusteuern, da D-Squad unter anderem auch für Toleranz und Multikulti steht…..also hören wir mal, was der Coach dazu zu sagen hat:
Es ist Montagabend ich sitze gerade bei meinen Eltern, da ich auf meinen kleinen Bruder aufpassen muss und um mich zu beschäftigen zappe ich im TV. Ich bleibe im ersten Programm hängen: hart aber fair mit Frank Plasberg. Thema sind die Äußerungen des Bundesbank-Chefs Thilo Sarrazin, die momentan DAS Thema in den Medien sind. Sarrazin, bekannt für markige Sprüche und schnelle Urteile hat anscheinende einen wunden Punkt getroffen: Es gibt keine Zeitung die sich nicht mit seinen Äußerungen beschäftigt oder sie kommentiert. Eine seiner Aussagen: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert“ oder auch: „Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate“. Weiterhin spricht er von gescheiterter Integration und dem Unwillen der Ausländer sich zu integrieren.
In der ersten Herrenmannschaft von Dynamic Squad spielen 15 Spieler.
Rachid, geboren in Düsseldorf, stammt aus einer marokkanischen Familie, neben Deutsch spricht er noch Arabisch und außerdem ist er Moslem. Rachid studiert Sport und BWL in Wuppertal. Yuta ist Japaner, obwohl in Düsseldorf geboren, besitzt er nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Er arbeitet im Unternehmen seines Vaters, dass in Düsseldorf ansässig. Igor ist zwar Deutscher, wurde aber in Kiew geboren und spricht auch noch etwas Russisch. Dibo und Divine sind Ghanesen und sprechen neben Deutsch noch Englisch und Twi. Mo wurde in Teheran geboren und schleppt zu jedem Spiel regelmäßig unseren iranischen Fanclub mit (die übrigens alle Studentinnen sind). Jonas wurde auf Lappland geboren und ist Eskimo. Heutzutage ist er Deutscher und studiert Sport in Köln. Ich könnte das hier noch weiter fortsetzen, spare mir das aber aus Platzgründen. Fakt ist: von 15 D-Squad Spielern besitzen 10 einen Migrationshintergrund oder sind keine Deutschen. Bei uns prallen 7 verschiedene Nationen, Mentalitäten und Religionen aufeinander. Wie steht es da mit der Integration in DIE deutsche Kultur und die Anerkennung Deutschlands?
Die Bundesrepublik Deutschland ist nach den USA das größte Einwanderungsland der Welt (setzt man die Anzahl der Immigranten mit der Anzahl der Staatsbürger in Relation), die Themen Migration, Ausländerfeindlichkeit, Asylrecht, Volksverhetzung tauchen in regelmäßiger Wiederholung in den Medien auf. Leider muss man dabei immer wieder bemerken, dass die Diskussionen zu diesen Themen immer sehr undifferenziert ablaufen. Es gibt nicht DIE Ausländer, DIE Türken, DIE Araber. In Deutschland leben mehrere Millionen Ausländer bzw. Menschen mit einem Migrationshintergrund. Sie über einen Kamm zu scheren ist schlichtweg unmöglich. In der Diskussion in der gestrigen Sendung von hart aber fair wurde derselbe Fehler gemacht: Egal ob es die anwesenden Politiker, Schriftsteller oder die Vorsitzende der türkischen Migrationsbewegung war, es wurde immer von DEN Ausländern gesprochen. In den letzten PISA-Studien konnte man eines ganz deutlich erkennen: Wir haben weniger ein Ausländerproblem, als vielmehr ein Sozialproblem. Der Zusammenhang zwischen Migration und Ausbildung und sozialem Status wird nicht von dem Aspekt des Migrationshintergrundes bestimmt, sondern von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht. Ordnet man nämlich ausländische Schüler entsprechend nach den sozialen Schichten aus denen sie kommen stellt man überrascht fest: Die Unterschiede zwischen Ausländern und Deutschen sind gar nicht so groß. Je höher der soziale Status der Familie, desto höher das Bildungsniveau. Dieser Zusammenhang gilt aber auch umgekehrt: je niedriger die Herkunft, desto niedriger der Bildungsabschluss bzw. teilweise ist gar kein Schulabschluss vorhanden. Will man also die von Sarrazin angesprochenen Probleme beheben, muss man sich im Klaren darüber sein, dass man es vor allem mit einem Sozialproblem zu tun hat. Über 60 Prozent der in Deutschland lebenden Migranten und Ausländer gehören zur sozialen Unterschicht und haben somit kaum Möglichkeiten gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die verschiedenen sozialen Schichten haben sich in den letzten Jahren immer stärker voneinander abgegrenzt und Kinder aus verschiedenen sozialen Schichten haben kaum Kontakt miteinander. So ist es kaum Möglichkeit Verständnis für andere zu entwickeln, die ein gänzlich anderen Wertekanon als den eigenen haben. Ich bin zum Beispiel in Grevenbroich zum Gymnasium gegangen und in meiner Stufe gab es insgesamt nur 3 Schüler mit einem Migrationshintergrund. Erst durch den Basketball bin ich mit gleichaltrigen in Kontakt gekommen, die nicht „deutsch“ waren.
Natürlich hat Sarrazin auch einige richtige und auch wichtige Dinge angesprochen: Es gibt auch viele Migranten, die sich eine Parallel-Welt aufgebaut haben und kein Interesse an Integration haben. Allerdings muss man sich in dieser Thematik sehr vorsichtig und sehr differenziert bewegen. Wie bei allen wichtigen Themen gibt es viele verschiedene Ursachen und Gründe für zum Teil sehr unterschiedlich erscheinende Phänomene. Das Thema Integration ist ein sehr komplexes und lässt sich sicherlich nicht in einem reißerischen Zeitungsinterview optimal behandeln.
Wir von Dynamic Squad sind jedenfalls sehr stolz darauf, dass wir ein multikulturelles Nebeneinander haben, das geprägt ist von Tolerant und Akzeptanz. In unseren Camps haben wir Kinder aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus. Egal ob Türke, Marokkaner, Deutscher oder Japaner. Sie sind alle Teil der Dynamic Squad Family.
Sport ist die optimale Möglichkeit um Menschen miteinander in Kontakt zu bringen und Vorurteile und Stereotype abzubauen. Ich würde mir wünschen, dass das die Politik auch endlich mal erkennen würde und den Sport in Deutschland besser fördert als bisher umso zu einer toleranteren und besseren Gesellschaft beizutragen.